Warum steht das Reflexivpronomen hinter dem Modalverb?

Hallo, liebe Angelika, heute beim Deutschunterricht wusste ich auf eine Frage keine Antwort. Es ging um die Stellung des Reflexivpronomens in folgendem Satz: "S. will sich in einem Büro bewerben." Warum steht das Reflexivpronomen hinter dem Modalverb und nicht z.B. vor dem Vollverb, zu dem es ja gehört?
Liebe Grüße, Barbara

Hi, Barbara. Die Antwort auf diese Frage findest du im Prinzip im Grammatik-Kompendium hier und zwar unter Kapitel 6. Da wird das Rhythmusprogramm erklärt, nach dem kürzere Satzglieder von den längeren auf Positionen weiter vorne im Satz verdrängt werden. Dieses Schicksal trifft auch das Reflexivpronomen – das zusätzlich mit nur einem geringen Informationswert aufwarten kann, von daher also schon seine Rechte auf einen prominenten Platz am Satzende ziemlich verwirkt hat. 

Für romanischsprachige Schüler (ich gehe davon aus, dass du Portugiesen unterrichtest) erklärt sich die Stellung des Reflexivums aus seinem Verhältnis zum Verb. Das kommt daher, dass es im Italienischen, Spanischen etc. ja oft direkt hinten dran hängt – sich entscheiden z.B. = decidersi, deciderse etc. – für deine Schüler ist es also ganz normal, sich erst mal nach dem Vollverb sowie dem Modalverb umzusehen und dann auf diese Frage zu kommen. 
Im Deutschen baut sich ein Satz aber anders auf: Das Modalverb steht als grammatikalischer Wachturm der Satzklammer grundsätzlich auf Position II. Das Vollverb als wichtigster Informationsträger auf Position Ende. Und das Reflexivpronomen soll sich gefälligst auf die rangniedrigste Position begeben. Die befindet sich direkt nach dem Klammer öffnenden Verb. So dass der Satz sich grafisch so darstellen lässt:

                                         bewerben.
S. will          in einem Büro
           sich

Versuch mal, deinen Schülern diesen Grundsatz mit der aufsteigenden Hierarchie der Informationen + Rhythmusprogramm klar zu machen. Viel Erfolg!
Angelika

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