Diana Krasovskaya (Armenien + Russland)

18 April
Diana
Erst hat sie einen Mittelstufenkurs Deutsch gemacht. Dann nach einem einzigen Abendkurs die DSH-Prüfung mit Bestnote hingelegt. Und schließlich ihr ganzes Leben umgekrempelt: Aus der gut verdienenden IT-Frau wurde wieder eine Studentin, die mit glühendem Interesse Latein lernt und Referate zu semantischen Theorien oder Namenskunde verfasst. Hier kommt Diana und erzählt von ihren Erlebnissen mit der deutschen Sprache. 

Deutsch war meine erste Fremdsprache, als ich noch ein Kind in einer russischen Schule in Eriwan war. Wir hatten eine “komische” Lehrerin, die den ersten Monat im Unterricht nur auf Deutsch gesprochen hat und zwar ganz schnell. Keine Buchstaben, keine selbsterklärenden Bilder mit A-Apfel, nur ununterbrochene Rede wie ein Wasserfall. Niemand hat ein einziges Wort verstanden, aber ab der dritten Sitzung konnten wir schon alle am Ende des Unterrichts auf ihre einzige Frage “Klar?” fleißig und erleichtert “Klaaar!” antworten und etwas verwirrt, aber froh nach Hause laufen. Das war purer Fremdsprachen-Unterricht und ich fand es eigentlich spannend. Ich habe mir vorgestellt, dass ich plötzlich auf einem fremden Planeten gelandet bin und auf einmal dessen Einwohner verstehen können muss. Deswegen versuchte ich nun im Deutsch-Unterricht aus der fließenden Rede einzelne Wörter rauszuziehen und sie mit meinen zwei Muttersprachen – Russisch und Armenisch – zu vergleichen, damit ich zumindest etwas “entkodieren” kann. Danach fing der “ganz normale” Sprachunterricht an und das Bild wurde klarer. Wir haben das deutsche Alphabet gelernt, die ersten Vokabeln gepaukt und unsere ersten Schritte in der Grammatik gemacht. Ich mochte die Deutsche Sprache sehr und es war für mich ein großer Verlust, dass ich keinen Unterricht mehr hatte, als meine Familie nach Moskau umzog. In der neuen Schule hatte ich nur Englisch. Danach habe ich in Moskau Informatik studiert und bin Ingenieur geworden. Aber meine Leidenschaft zu Sprachen und der deutschen Kultur hat mich von Moskau nach München gebracht. Da habe ich mit dem Deutschkurs bei Daniela Pawlowski angefangen. Jeder liebte Daniela von Anfang an so sehr und als sie uns nach einem Monat mitgeteilt hat, dass wir für die Restzeit des Kurses eine andere Lehrerin bekommen sollen, hat niemand geglaubt, dass das gut laufen wird. Aber dann habe ich die liebste Angelika kennengelernt und konnte nicht glauben, dass ich noch ein Mal in meinem Leben so einer außergewöhnlichen und wundervollen Deutschlehrerin begegnen würde. Ihre Fantasiewelt mit den großen, schwerfälligen, elephantenartigen Tieren – Nomen und den schnellen, lebhaften Verben, die wie Raubkatzen so wohl zierlich, als auch gefährlich sind, hat mich total fasziniert! Ich muss nicht viel weiter erzählen, wie inspirierend das war. Es reicht, wenn ich sage, dass ich gerade mit meinem zweiten Studium an der LMU angefangen habe. Was studiere ich? Kognitive Linguistik, wo man diese phantastischen Welten der Sprache forschen und erweitern kann.
Diana

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