Hussain Abosobaie (Ägypten)

7 März
Als wir den Kursabschluss feierten, erzählte mir Hussain, dass er tags zuvor bei einem Bewerbungsgespräch den Personalleiter auf einen Fehler im Deutschen aufmerksam gemacht hatte. Prompt bekam er den Job. Hier die Geschichte seiner zweijährigen Karriere vom "deutschlosen" Hussain bis zum ziemlich perfekten Deutschkenner:

Ich bin Ingenieur von Beruf. Seit 2 Jahren wohne ich hier in Deutschland. Anfangs konnte ich kein Deutsch sprechen (außer danke). Meine Arbeit erforderte keine deutschen Sprachkenntnisse, weil ich damals bei einer italienischen Firma gearbeitet habe, in der die Mitarbeiter nur Englisch oder Italienisch benutzten. Damals hatte ich keine Zeit, um Deutsch zu lernen und auch keine Motivation. Später wusste ich, dass ich den unbefristeten Aufenthaltstitel schneller bekommen kann, wenn meine Sprachkenntnisse Niveau B1 erreichen. Das war eine gute Motivation! Ab Januar 2015 habe ich also damit angefangen, Deutsch zu lernen, aber nur im Internet (auf der Deutschen Welle). Im März habe ich dann doch einen Deutschkurs besucht – auf A2-Niveau (die Zeit auf dw.de war nicht verloren!) und mein Ziel war, das B1-Zertifikat zu bekommen. Aber als das erreicht war, habe ich noch einen B2 Kurs angehängt. Das war die beste Entscheidung in meiner Deutschbiographie! Der Kurs war sehr gut, die Lehrerin hat uns echt leidenschaftlich unterrichtet, und die Gruppe war auch ein Bonus! Am Ende dieses Kurses habe ich die Sprache geliebt! Und wollte alles bis zum letzten Kurs besuchen. Im August 2016 habe ich die DSH-Prüfung geschrieben und mit der Bestnote bestanden. Na ja! Ich bin schon stolz darauf! Jetzt arbeite ich bei einer Firma, wo ich meine Deutschkenntnisse benutze (und natürlich verbessere). 

Als ich angefangen habe, Deutsch zu lernen, habe ich die trennbaren Verben komisch gefunden! Warum schneiden die Deutschen die armen Verben in feine Streifen? Es reicht doch eigentlich, wenn die Deutschen ein Verb ganz ans Ende vom Satz werfen, dann passiert oft, dass wir es falsch konjugieren, weil man bis dahin schon vergessen hat, wer das Subjekt war. Aber noch mehr: Oft genug verliert das Verb seine Vorsilbe, gerade dann wenn der Satz ganz lang ist. Zum Beispiel sagt man: Ich fange nächste Woche mit der neuen Arbeit an einem interessanten Projekt mit manchen netten Kollegen. Und jetzt soll das verletzte Verb ohne seine Vorsilbe überleben, ohne Hoffnung auf Beschwerden durch eine Verbenrechtsorganisation, weil der Satz ja trotzdem verständlich bleibt! Einmal hat das Goethe-Institut auf seiner Facebookseite einen Aprilscherz gepostet, dass es ab nächstem Jahr keine trennbaren Verben mehr geben wird. Der Beitrag sagte: Ich anrufe dich! – Bitte, geht doch! 

Deutsch ist nicht meine erste Fremdsprache, und hoffentlich auch nicht die letzte! Ich spreche Englisch seit der Kindheit, weil ich in der Schule und an der Uni immer auf Englisch gelernt habe. Französisch habe ich oft geübt, als ich bei einer französischen Firma gearbeitet habe. Ich will noch Spanisch und Russisch lernen. Hoffentlich bald!

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