Nezir Toker (Türkei)

23 Februar
Nezir
Sommer 1991. Ich war erst vier Monate als Dozentin an der Universität und stand vor meiner ersten Abschlussklasse. Eine ganze Reihe von Studenten war recht nervös: Die Prüfung ist schwierig und dann so eine junge Lehrerin ...? Gar nicht nervös war Nezir. Er lebte im Studentenwohnheim in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserem Unterrichtsgebäude, trotzdem kam es vor, dass er hie und da erst in der Pause erschien. Mit einem außergewöhnlich guten Grund: Er hatte Frühstück für die ganze Klasse vorbereitet. Nach dem Unterricht um 12.30 zogen wir also zu ihm hinüber, wo er einen riesigen Tisch gedeckt hatte mit Spiegeleiern, Tee, Broten, Köfte, Salat, Saft. Und Löwenmilch – also türkischen Raki – gab es auch. Nie habe ich einen so leidenschaftlichen Feinschmecker bei der Produktion wie beim Verzehr seiner Leckereien erlebt. Sein Referat damals hat er übrigens über die türkische Küche gehalten. 

Inzwischen ist er unter anderem Direktor eines Museums für Dinosaurierknochen und kommt öfter mal nach München, um unter anderem seine alte Lehrerin zu besuchen. Und das schreibt er: 

Ich wollte damals in Deutschland promovieren, deshalb musste ich Deutsch lernen. Deutsch als Fremdsprache ist die schwierigste Sprache der Welt! Zu jeder Regel gibt es eine Ausnahme. Aber wenn deine Lehrerin gut ist (das ist auch eine Ausnahme), ist Deutsch leicht zu lernen. 
Heute bin ich Professor in Istanbul.
Nezir aktuell

Teilen:

Blog abonnieren

Themen
    Reisebilder
    Ich verreise eigentlich nur, um Freunde zu besuchen oder an meinem Reiseziel zu arbeiten. In den letzten Jahren waren das Orte in Rumänien, Russland, Griechenland und Georgien. Von dort wird es hier Bilder geben und ein wenig Text. Nichts Spektakuläres, nur Innenansichten. Und ganz normale Einheimische.

    Rezensionen
    Wenn mir ein Buch nach 40 Seiten immer noch nicht gefällt, lese ich es nicht weiter, kann es also auch nicht rezensieren. Deshalb stelle ich hier ausschließlich Werke vor, die ich wirklich empfehlen möchte. Oder – seltener – die mich so empört haben, dass ich meine, davor warnen zu sollen. 

    Porträts ehemaliger Studenten
    Aus der ganzen Welt sind sie gekommen, aus allen Kontinenten. Ich erinnere mich an zwei Südafrikaner, die an einem heißen Sommertag im Schulhof einen Regentanz aufführten. Ich erinnere mich an Sinan, Anneli und Hamada, an Ahmed, Barbara und Zeljka, alle ganz verschieden, jeder interessant. Hier möchte ich einige von ihnen porträtieren.