Wünscht sich mehr Verständnis füreinander – Ina Berger

18 Juni

Ja, seit etwa 2 1/2 Jahren lebt sie ausschließlich vom Übersetzen. Vor allem aus dem Französischen ins Deutsche und hin und wieder auch aus dem Griechischen. Zwar hat sie Literaturübersetzen studiert, übersetzt aber aktuell ganz verschiedene Arten von Texten.
 
Zum Verhältnis Deutschland – Griechenland: "Das wird in letzter Zeit seltener öffentlich beleuchtet und diskutiert, aber die sogenannte "Griechenlandkrise" und die Art, wie in den Medien beider Länder berichtet wurde, hat wohl leider bleibende Schäden verursacht. Jedenfalls was die Wahrnehmung der Leute betrifft, die wenig Kontakt zum jeweils anderen Land haben. Zum Glück können die Menschen das Politische bei persönlichen Begegnungen dann meistens doch ausblenden und unterscheiden."
 
Zur Krise in Griechenland: „In den letzten Jahren merke ich, dass sich einiges gebessert hat, wenn auch nur langsam. Menschen mit niedrigen Renten und Einkommen, die besonders unter der Krise gelitten haben, bekommen jetzt mehr Unterstützung, aber die Löhne sind weiter niedrig und die Steuern hoch. Ich glaube, in Deutschland hätte es einen riesigen Aufschrei gegeben, wenn Gehalts- und Rentenkürzungen in solchem Ausmaß vorgenommen worden wären wie in Griechenland. Dass das vielen Deutschen nicht klar zu sein scheint und viele trotzdem abfällig und verallgemeinernd über "die Griechen" gesprochen haben, hat mich immer sehr wütend gemacht.“
 
Ina, was wünschst du dir? Für mich persönlich, dass ich auch in Zukunft das Glück habe, interessante und spannende Texte übersetzen zu können. Allgemein hoffe ich, dass deutsche Leser durch mehr Übersetzungen aus dem Griechischen die Gelegenheit bekommen, auch zeitgenössische griechische Autoren und Literatur kennenzulernen. Denn Literatur trägt ganz sicher auch zum gegenseitigen Verständnis bei.

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Für den Workshop hat sie eine von drei Novellen aus Christina Plainis Debüt-Veröffentlichung „Take the A-Train“ vorgelegt.

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