Jane Gardam. Eine treue Frau

17 Februar
Gardan. Eine treue frau
Das britische Empire hat sie geschaffen: Raj Waisen, Kinder von britischen Kolonialbeamten, geboren in Ostasien, zur rechten (falschen) Zeit zurück in die Heimat verfrachtet, wo sie elternlos, von misslaunigen Verwandten bewacht, ihre standesgemäße Erziehung erdulden müssen. Rydiard Kipling war einer von ihnen. Oder Betty Macintosh, die Heldin im zweiten Buch von Jane Gardams Trilogie. 

Wie andere Raj Waisen (zum Beispiel ihr späterer Gatte Edward) verpasst Betty einiges im Leben. Zum Beispiel die Liebe ihres Lebens, die ihr am selben Tag begegnet, an dem sie Edwards Antrag angenommen hat. Oder die Mutterschaft – welche Tragödie für eine Frau, die vor Sorge um einen kleinen Jungen durch Honkong rasen wird – durch die hämmernde, rastlose Stadt –, die es als einzige wagt, eine junge Chinesin zu verteidigen, die man nach Ansicht der stolzen britischen Gesellschaft anzeigen sollte, weil sie einen buddhistischen Tempel verstauben lässt: „Aber es ist ihre Religion“, sagte Elizabeth. „Das hat doch mit uns gar nichts zu tun. Vielleicht ist den Buddhisten Staub egal.“ 

Wer ist diese Frau? Hat sie ihr Leben und ihre Liebe verpasst? Oder mit ihrer Kraft anderen geholfen, sich zu finden? In einem vielschichtigen, sprachlich und kompositorisch wunderbaren Roman hat Jane Gardam, große alte Dame der englischen Literatur, dieses Porträt einer Frau und ihrer Gesellschaft geschaffen. 


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