Die Muttersprachlerin – Marianna Chalari

19 Juni

Marianna hat Deutsch von ihrer Mutter gelernt, einer Deutschen, die mit zwanzig nach Griechenland kam, sich verliebte und für immer blieb. Dass Tochter Marianna die deutsche Schule in Athen besuchen würde, war klar.

Ja, sie übersetzt professionell (auch große Dinge wie den Roman „April in Stein“ von Robert Streibel); aber nein, davon leben könnte sie nicht. Das Geld für die dreiköpfige Familie verdient hauptsächlich ihr Mann als Koch.

Deutsch-griechische Beziehungen und die Krise: Momentan sieht es zwischen Griechenland und Deutschland wieder besser aus. Aber vor einiger Zeit noch war das wie ein Kalter Krieg. Das hat sie geschmerzt – wie soll sie mit ihrer doppelten Abstammung denn die beiden Kulturen trennen?

Marianna, was wünschst du dir? Glück und Gesundheit. Und mit Glück meint sie etwas, wofür die Griechen zwei Worte haben: τύχη (im Sinne von «nochmal Glück gehabt») und ευτυχία (Glückseligkeit).

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Für den Workshop hat sie drei kurze, sprachlich überaus anspruchsvolle  Geschichten von Robert Walser übersetzt: «Geschwister Tanner», «Der Dichter» und «Das Zimmerstück», alle erschienen in der Gesamtausgabe von Suhrkamp. 


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