Alicia jagt eine Mandarinente

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Alicia
 jagt eine Mandarinente Drei Mitvierziger aus Europa bereisen das Land, wo das „Gesicht“ die größte Rolle spielt. Aber sind es wirklich nur die Chinesen, die eine Fassade brauchen? 

Irgendwo in Beijing muss sie zu finden sein: die Skulptur einer Mandarinente, die Gregor für seine Frau Didi bestellt hat. Für seine Frau oder für die jugendliche Geliebte? Alicia, beste Freundin von Didi, begabt mit Nibelungentreue und geschlagen durch die Neigung Fremdwörter zu verwechseln, jagt durch Beijing – sie muss diese Ente finden und jede Spur von Gregors Schandtat vernichten, bevor Didi dessen Treulosigkeit entdeckt.

Alleine ist Alica nicht auf ihrer Entenjagd: Mit ihr reisen Gatte Theo und Didi selbst, die China „hinter den Kulissen“ erleben möchte. Sie erhält es, das authentische China – mit seinen Millionen Menschen, mit einem Zauberdoktor, einer Geheimnisse hütenden Dolmetscherin, einem Wanderführer ohne anständige Stiefel und einem unerwarteten Abenteuer auf der „Wilden Mauer“.

Eine Geschichte über Liebe, Freundschaft und die Kunst, sein Gesicht zu wahren.

In jeder Buchhandlung oder online über den Buchhändler meines Vertrauens als
Printausgabe oder E-Book.


Pressestimmen


„Witzig und tragisch.“ 
– Super Illu 19.04.2018

„... Bräuche und Charaktere der Chinesen aus erster Hand.“ 
– Beatrix Petrowski in: BuchAviso 10.04.2018

„... so originell wie die Erzählkunst einer Isabel Bogdan.“ 
– Susanne Fleischer in: Literaturmarkt 03.04.2018

„Nach 'Die Grammatik der Rennpferde' hat Angelika Jodl wieder ein sehr kluges und warmherziges Buch vorgelegt.“ 
– Doris Wassermann in:Westfalen-Blatt 01.04.2018

„Klug und pointiert erzählt.“ 
– Buch Aktuell Frühjahr 2018

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Interview

dtv hat mich interviewt zum Roman Alicia jagt eine Mandarin Ente, zur Recherche für dieses Buch und zu meinem chinesischen Adoptivsohn.





Leseprobe

Schon kamen die blauen Fliesen der nächsten Haltestelle in Sicht, auf den Schienen kreischten die Bremsen, in drei Wellen brachte der Fahrer die U-Bahn zum Stehen. Bei jedem Schub taumelten die Fahrgäste nach vorne, dann zurück. Alicia ließ ihre Tasche fallen und versuchte, die bereits von etlichen Händen umklammerte Metallsäule zu fassen. Die Türen öffneten sich keuchend, und sofort brach Hektik los, Füße stolperten über Füße, Ellbogen brachen sich einen Weg, ein Hut wurde um dreißig Grad gedreht.
Nur das Liebespaar neben Alicia behielt seine Position bei. Elastisch fing der Mann alle Bewegungen mit seinem Körper ab, er war nicht groß, er wiegte sich und die Frau, die er in seinen Armen hielt, während er sie küsste. Sie löste sich von ihm, legte den Kopf zurück, einen Moment lang sah Alicia ihr Gesicht: hell, schön, lilienhaft. Und so jung. Ein Kätzchen.

Immer noch bahnten sich einzelne Passagiere ihren Weg nach draußen, neue brachen stampfend herein, das Mädchen schob sich an ihnen vorbei zum Ausgang, den Blick weiter sehnsüchtig ins Wageninnere gerichtet. Auf dem Bahnsteig drehte sie sich um. Fauchend schlossen sich die elektrischen Schwingtüren, das Mädchen drückte weiße Zähne auf ihre Unterlippe, übermütig lachten ihre Augen, sie öffnete die Lippen, warf eine Kusshand. Die Bahn fuhr los.

Der Mann stand mit dem Rücken zu Alicia, sie hatte die ganze Zeit nur seine Schultern und den Hinterkopf gesehen und fand, dass er eine unglaubliche Ähnlichkeit mit Gregor hatte – dieser schmale Körper, der dunkle Stoppelschnitt, die feinen Ohren eng an den Schädel geschmiegt.

Der Mann drehte sich um. Es war Gregor.
Die Bahn rollte und holperte.

„Na?“, sagte er, während er nach der Metallstange neben Alicia griff. Seine Handkante berührte ihre, sofort rutschte sie mit ihrer Hand einen Zentimeter nach unten.
„Steigst du auch die nächste aus?“, fragte er.

Den Arm an die Seite gepresst, zerrte sie sich ihren Jackenärmel vom Handgelenk, um auf die Uhr zu sehen. „Achtzehn Uhr hieß es doch? Didi hat achtzehn Uhr gesagt.“
„Dann bist du ja genau so früh dran wie ich“, sagte er und grinste.
Seine Dreistigkeit war unglaublich.

Sie verließen die U-Bahn, gingen nebeneinander her. Ein Spätnachmittag im März, ein paar Spatzen schrien von den Bäumen, in den Pfützen am Boden spiegelten sich die letzten Wolken.

Das Lokal stand halb verborgen hinter immergrünem Buschwerk. Gregor drückte gegen die schwere Tür, ließ sie zuerst eintreten. Sie stand im Halbdunkel des Eingangsrondells, vor sich den schweren Wollvorhang, der die Eintretenden vom Restaurant trennt. Dieses Mal kam sie ihm zuvor. Bevor Gregor weitere Galanterie beweisen konnte, schlug sie den Vorhang zur Seite und marschierte durch den langen, leeren Raum zu dem Hinterzimmer, wo sie immer zu viert saßen. Ihre Absätze tackerten auf dem Holzboden. Noch konnte sie sich ihren Hass erlauben, Didi und Theo kämen frühestens in fünfzehn Minuten. Zeit genug, um ihn zur Rede zu stellen.

Sie knöpfte sich die Jacke auf, wickelte sich den Schal vom Hals, die ganze Zeit schlug ihr Herz. Sie musste das ansprechen. Aber wie? Sollte sie Gregor befragen? So im Kommissarsstil? Wer ist dieses Mädchen, wie lang geht das schon, weiß Didi davon? Und dann er: Dasgehtdichnichtsan, dasgehtdichnichtsan. Aber überschweigen konnte sie ihre Entdeckung erst recht nicht, das wäre Verrat an Didi. Die Stille im Raum war etwas Hörbares, jedes Geräusch schleppte ein Misstrauen nach sich wie Schritte in der Dunkelheit. Sie zog einen Stuhl herbei. Da saß sie, gegenüber von Gregor, dem Mann, der ihre beste Freundin betrog. Dass er keine Skrupel hatte, war ihr seit längerem klar. Aber ein leibhaftiger Beweis ist noch mal etwas anderes.

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