Laudatio auf eine kaukasische Kuh

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Laudatio auf eine kaukasische Kuh
Wenn es nach ihrer Mutter ginge, müsste Olga mit ihren sechsundzwanzig längst verheiratet sein und zwar mit „einem von uns“. Also einem Mann, der wie die Familie Evgenidis aus Georgien stammt, einen alten griechischen Dialekt spricht, trinken, tanzen, kämpfen kann und kein Problem damit hätte, heilige Ikonen zu küssen. 
Das passt so überhaupt nicht in Olgas Lebensplan, die nach zweimaliger Migration endlich irgendwo ankommen möchte, sich vorgenommen hat, deutscher als eine deutsche Kartoffel zu werden und überdies seit einiger Zeit verlobt ist. Mit Felix van Saan, der wie sie Medizin studiert hat. 

Alles gut für sie also, nur dass ihre Familie bis jetzt noch nichts von dem künftigen Schwiegersohn ahnt. Und dann springt auch noch Jack Jennerwein in Olgas sorgfältig durchgeplantes Leben: Tagelöhner, Tausendsassa, charmant und unzuverlässig. Er könnte ebenso gut Grieche oder Georgier sein, denkt Olga, also genau das, womit sie nichts zu tun haben will. Dennoch schafft er es, einigen Aufruhr in ihrer Seele anzurichten. Vor allem: Jack lässt nicht locker. Erst gewinnt er in ihrer Familie alle Herzen; dann, als Olgas Familie mit ihr nach Georgien reist, fliegt er kurz entschlossen hinterher. Als schließlich noch Felix in Tiflis aufschlägt, ist das Chaos komplett.

Die Geschichte einer jungen Frau, die sich selbst als „so deutsch wie ein Bamberger Hörnchen“ sieht, ihrer komplett georgisch gebliebenen Familie und eines charmanten Taugenichts, der überall zu Hause ist.

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Pressestimmen


"Unprätentiös, unsentimental. Angelika Jodls unterhaltsamer Migrationsroman Laudatio auf eine kaukasische Kuh."
– Thomas Rothschild, Lesetipp in: Die Presse. 04.06.21

"Humorvoll und locker-leicht erzählt, ist der Roman eine unterhaltsame Mischung aus Liebesgeschichte, Road-Trip und Identitätssuche. Die perfekte Strandlektüre mit genau dem richtigen Maß an Tiefgang."
– Bielefelder. Das Magazin für Stadtmenschen. 02.06.21

"Das liest sich alles sehr leicht, sehr sympathisch und man wird kaum je eine realistischere Kalbsgeburt gelesen haben. Höhepunkt der Geschichte!"
 – Lesetipp in: Film, Sound & Media. 21.05.21

"Angelika Jodl lehrt nicht nur deutsche Grammatik und Sprache, sondern ist auch selbst eine Wortkünstlerin. Ihr Roman ist vollgespickt mit wunderschön gemalten Satzbildern, die ihn zu einem Lesefest für alle machen, die sich gerne geistreich und sprachschön unterhalten lassen."
– Susanne Steufmehl in: mk.online. 18.05.21

"Die Geschichte ist hinreißend, erlebnisreich, eindrücklich und amüsant, zum laut Auflachen herrlich – eines dieser wunderbaren Bücher, bei denen man ein wenig Angst hat, weiterzulesen, weil das Buch dann schon so bald zu Ende sein wird."
– genialokal 07.05.21

"... ein Culture Clash vom Feinsten."
– Helga Kaufmann in: Papierliebe. 06.05.21

"Ein Roman, der mitfühlen lässt, der Spaß macht, Kulturen verbindet, angenehm unterhält und unbedingt auf ein Happy End hoffen lässt."
– Friederike Wagner in: Buchpalast München.  30.04.21 

Leseprobe

"Sie ist erst fünfzehn", sagte der Vater.
"Fast sechzehn", sagte die Mutter.
"Gott ist groß", sagte die Großmutter.
Olga überlegte, wo sie sich verstecken könnte, aber die Wohnung war klein, und ihre Mutter ließ sie nicht aus den Augen. Als es an der Tür läutete, saß sie in der Küche wie eine Gefangene und hörte, wie die Besucher ihre Schuhe auszogen.
Die Mutter kam zurück und stellte sieben Tassen auf ein Tablett. In jede hängte sie zwei Teebeutel und goss heißes Wasser darüber.
"Das servierst du jetzt. Sprechen musst du nicht dabei."
"Nein!", sagte Olga heftig.
"Was heißt hier Nein?! Ich geb dir gleich eins hintendrauf!"
"Nein!"
Die Mutter senkte die Stimme "Stell dich nicht so an, du servierst nicht deine Jungfräulichkeit, nur Tee!"
"Ich stell ihnen die Tassen hin, dann gehe ich."
"Allheilige Muttergottes, wieso hast du diesem Kind keine Vernunft geben? Mir platzt der Kopf vor Ärger, du Idiotin!" Die Nasenflügel der Mutter bebten.
Olga wusste, dass die Mutter sie am liebsten gekniffen hätte. Nur dass Besuch im Haus war, schützte sie vor ihren Zangenfingern.
"Du verscherzt dir dein Schicksal", sagte die Mutter, "die Chatzizachariadis sind gute Christenmenschen. Ihr Junge hat Computer gelernt. Und ich sag dir was, ich sperre die Wohnungstür ab." Fotis kam in Fußballschuhen in die Küche. "Geh raus zum Spielen, mein Liebling", bat sie ihn.

Olga nahm das Tablett mit den Tassen und verließ die Küche. Aus dem Salon vernahm sie die Stimme ihrer Großmutter und die einer unbekannten Frau. Als sie die Tür öffnete, verstummte das Gespräch. Olga bückte sich und platzierte Tasse für Tasse auf dem Tischchen. Ins Gesicht schaute sie niemandem. Unter den Tisch schon, da hielten sich die Hände des jungen Mannes auf. Sie waren rot, die eine rieb die andere. Ein Geruch nach Rasierwasser und Schweiß hing in der Luft. Fast wäre ihr die letzte Tasse entglitten, scheppernd landete sie auf dem Tisch. Beim Hinausgehen nahm Olga den besorgten Blick ihres Vaters wahr, und einen Augenblick lang wusste sie nicht mehr, wer recht hatte.
Die Wohnungstür war tatsächlich abgeschlossen. Im Badezimmer schob Olga den kleinen Riegel vor, setzte sich auf den Rand der Wanne und wartete. Hellblau waren die Fliesen, dunkelblau ihr Kleid, nach einer Weile erschien es ihr, als ob der Samtstoff und die Fliesenkeramik ineinanderflossen.
Die Gäste waren gegangen, es rüttelte an der Badezimmertür. "Wage es!", schrie die Mutter.
Olga rutschte vom Badewannenrand und blickte in den Spiegel. Vor drei Jahren hatte das mit dem Haar angefangen: Unter ihren Achseln quoll es in schwarzen Wirbeln hervor, am Unterbauch stach es durch den weißen Slip. Über ihrer Nase waren die Brauen zusammengewachsen, es sah aus wie der Strich über dem großen T.

Wenn ich einen heirate, dann nur, wenn der Name weniger als drei Silben hat, dachte Olga. Meier, Müller, Schmidt – diese Richtung. Ganz bestimmt keinen, bei dem der Name auf –idis oder -iadis endet. Sie nahm Mutters Pinzette, stellte sich dicht vor den Spiegel, fasste ein erstes Härchen aus dem schwarzen Gestrüpp über der Nase und riss es sich aus der Haut. Der Schmerz war unerwartet heftig. Sie biss die Zähne zusammen und machte weiter, Haar für Haar, manchmal gerieten zwei oder drei zwischen die Spitzen aus Edelstahl. Je weiter sie kam, desto mehr stumpfte sie ab. Nach einer Minute spürte sie nichts mehr. Die gerupften Stellen schwollen an und glänzten. Als Olga auf den Flur trat, hatte sich über ihren Augen die Haut gewölbt und war rot wie bei einer kriegsbereiten Apachin.

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